Solidarität unter Frauen

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Aileen Zumstein appellierte im Blick an mehr gegenseitige Unterstützung, Förderung und Akzeptanz unter Frauen. Sie ist überzeugt: Nur so können wir eine tolerante und diverse Kultur schaffen. 

 

«Feindinnen in den eigenen Reihen»

Erschienen im Blick (19.12.2018)

Liegt’s nur an den bösen Männern, dass Frauen nicht weiterkommen? So einfach ist’s nicht, meint Aileen Zumstein.

«Die Schweiz hat zwei neue Bundesrätinnen – aber es fehlen ihr die Wirtschaftsfrauen. Die Wahl von Karin Keller-Sutter und Viola Amherd wird als Erfolg gefeiert, der Jubel ist gross. Frauen loben einander, es herrscht Verbundenheit. Von jetzt an werde alles besser, so der Grundtenor. Frauen seien nun endlich in der Politik angekommen. Obwohl sie in Wahrheit schon seit Jahren zum politischen Geschehen beitragen.

Die Frage ist: Warum soll es etwas Spezielles sein, als Frau erfolgreich zu sein? Die Versuchung ist gross, ein Bild von bösen Männern zu malen: Sie mögen Frauen den Erfolg nicht gönnen, nehmen sie nicht ernst und reduzieren sie auf Haushalt und Kinderkriegen. Damit ist die Rechnung aber nur mit der Hälfte der Gesellschaft gemacht. Denn genauso, wie wir von Männern verlangen, ihren Teil zur Gleichstellung beizutragen, ist es an der Zeit, dass Frauen aufhören, selbst zu ihrer eigenen Diskriminierung beizutragen.

 

Weniger Neid, mehr Solidarität

Meine Beobachtungen zeigen mir: Missgunst und Neid gegenüber Frauen kommt mitunter gerade von Frauen selbst – den Feindinnen in den eigenen Reihen. Abfällige Kommentare über Karriere- und Familienplanung – ‹Du arbeitest Vollzeit und hast drei Kinder?›, ‹Wie kann man als Frau keine Kinder haben wollen?› – das Titulieren als Rabenmutter, taxierende Blicke aufs Outfit, Lästern über die Figur oder die Unterstellung, jemand sei nur wegen des Aussehens erfolgreich und auf einem Chefposten: unter Frauen gang und gäbe.

Ich bin davon überzeugt, dass viele Frauen von diesem Verhalten irritiert werden, und nicht nur, wie gerne propagiert, von einem männerdominierten Umfeld. Dass sich Frauen nur an Tagen wie der diesjährigen Bundesratswahl, am internationalen Tag der Frau oder am historischen Tag der Einführung des Frauenstimmrechts solidarisieren, ist ein Armutszeugnis.

 

An den Kompetenzen messen

Wir brauchen eine tolerante Kultur, in der sich Frauen gegenseitig unterstützen, fördern, vermitteln und akzeptieren sowie offen gegenübertreten. Nicht eine, in der sie sich beneiden, verurteilen und kritisieren. Damit wäre eine erste Basis geschaffen für eine Gesellschaft, die Bundesratsmitglieder und Führungskräfte nicht über das Geschlecht, sondern über Kompetenzen definiert.»